Der Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) ist eine Methode zur Berechnung der Anzahl durch Fluglärm stark belästigter bzw. stark schlafgestörter Personen. Er wurde von der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion und einem Expertengremium entwickelt, um die langfristige Wirkung von behördlichen und betrieblichen Massnahmen zur Lärmentlastung am Flughafen Zürich sichtbar und gegeneinander abwägbar zu machen.
Im Gegensatz zur bisher üblichen Praxis zielt der ZFI darauf ab, statt einer rein akustischen Berechnung die tatsächliche Wirkung des Lärms zu quantifizieren. Die ermittelte Lärmwirkung wird im ZFI zudem mit der Anzahl Personen, die von dieser Wirkung betroffen sind, gewichtet. Die Masseinheit des ZFI ist „Anzahl Personen“. Je mehr Personen durch Fluglärm beeinträchtigt werden, desto grösser ist der ZFI. Der ZFI kann für ein grösseres Gebiet aber auch für jede einzelne Hektare im massgeblichen Berechnungsperimeter berechnet werden.
Der ZFI setzt sich aus zwei additiven Komponenten zusammen: Anzahl durch Fluglärm während des Wachzustands am Tag stark belästigte Personen (Highly Annoyed: HA) und Anzahl durch Fluglärm im Schlaf während der Nacht stark gestörte Personen (Highly Sleep Disturbed: HSD). Die Anzahl der stark belästigten Personen (HA) wird anhand einer Belastungs-Wirkungsfunktion aus einer internationalen Metastudie ermittelt. Als Belastungsmass wird ein 16-Stunden-Mittelungspegel verwendet, bei dem die Belastung der ersten (06 bis 07 Uhr) und letzten Tagesstunde (21 bis 22 Uhr) mit einem Malus von 5 dB versehen wird. Die Anzahl der durch Fluglärm im Schlaf während der Nacht stark gestörten Personen (HSD) wird mit einer Belastungs-Wirkungsfunktion des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt berechnet, die anhand der Maximalpegel am Ohr der schlafenden Person die Wahrscheinlichkeit einer durch Fluglärm verursachten Aufwachreaktion liefert. Der ZFI wird in einem Gebiet berechnet, welches durch den Mittelungspegel der Tagesbelastung (06:00-22:00 Uhr) von 47 dB(A) sowie den Mittelungspegel der Nachtbelastung (22:00-06:00 Uhr) von 37 dB(A) als Abbruchkriterium definiert wird wobei in die letzte Tagesstunde zwischen 21:00 und 22:00 Uhr und in die erste Tagesstunde zwischen 06:00 und 07:00 Uhr ein Pegel-Malus von 5 dB eingerechnet wird. Somit wird im ZFI bis zu einem gewissen Grad der politische Wille ausgedrückt, auch solche Personen/Gebiete zu berücksichtigen, bei denen die Netto-Wirkung durch den 16-Stunden-Leq „unterschätzt“ wird. Dies sind vor allem Orte, welche zwar nur wenige Stunden pro Tag mit Fluglärm belastet werden, dafür aber zu besonders empfindlichen Tageszeiten (Süd- und Ostanflüge).
Einfluss auf den ZFI am Flughafen Zürich haben die Bevölkerungsdichte, die Routenwahl und der Flottenmix. Werden z.B. im grossen Stil dicht besiedelte Gebiete überflogen, so wird dies zu einer Zunahme des ZFI führen; wird lärmärmeres Fluggerät eingesetzt, wird der ZFI abnehmen und somit wiederum Spielraum schaffen, um zusätzliche Flugbewegungen abzuwickeln.
Die Einführung des ZFI als Instrument der Wirkungsquantifizierung, gepaart mit einem Richtwert, der nicht überschritten werden soll, stellte das Kernstück des Gegenvorschlages des Zürcher Regierungsrates zur Volksinitiative «für eine realistische Flughafenpolitik» (Plafonierungsinitiative) dar. Überschreitet der ZFI die Zahl von 47'000 Personen, sollen Gegenmassnahmen ergriffen werden. Unter dem Begriff «ZFI Plus» kam eine von der bürgerlichen Ratsmehrheit im Zürcher Kantonsrat unterstützte "Kompromiss-Variante", welche zusätzlich zum Richtwert von 47'000 Personen eine Nachtflugsperre von sieben Stunden und eine Obergrenze von 320'000 jährlichen Flugbewegungen fordert, zur Abstimmung und wurde am 25. Nov. 2007 vom Zürcher Stimmvolk angenommen. Die Volksinitiative wurde abgelehnt. Viele betroffene Gemeinden im Osten und Süden haben den ZFI abgelehnt.
Kritik am ZFI wurde von verschiedenen Seiten laut und die Bürgerorganisationen rund um den Flughafen lehnen ihn mehrheitlich ab. Er sei im Gegensatz zu einer (zähl- und begrenzbaren) Zahl von Flugbewegungen zu kompliziert aufgebaut und für Laien nicht nachvollziehbar, zudem lasse er dem Flughafen einen zu grossen Spielraum für weiteres Wachstum (z.B. durch den Einsatz leiserer Flugzeuge). Ein Gutachten von Carl Oliva, welcher selbst Mitglied des Expertengremiums war, bemängelt unter anderem, dass der ZFI stärker auf die Veränderung der Bevölkerungsdichte reagiere als auf die Entwicklung der Flugbewegungen und damit vom Luftverkehr tendenziell abgekoppelt werde.
Trotz vorgebrachter Kritik stellt der ZFI methodisch betrachtet eine wesentliche Verbesserung für die Praxis der Lärmbeurteilung dar, vor allem weil er sich ausschliesslich an der Wirkung des Lärms orientiert und auch medizinisch-physiologische Forschungsergebnisse (Zusammenhang zwischen Maximalpegeln und Aufwachreaktionen) berücksichtigt. Er kann jedoch in vielen Punkten auch aus wissenschaftlicher Sicht noch verbessert werden.